Weltumsegelung Teil 2

Mehr als eine Weltumsegelung       
Teil 2

 

Juli 2011 bis Januar 2012     -     vom Rhein in die Karibik

 

Über ein paar Hundert Schleusen, 1.300 Binnenkilometer mit ca 400 Höhenmetern geht die Fahrt über Rhein, Mosel, Rhone mit Kanälen zum Mittelmeer.

Im Rückblick bleibt die Steganlage des WVS als sog. Wohlfühloase Joachim und Susanne in herausragender Erinnerung. Ohne Auto müssen die Gelegenheiten zum Einkaufen optimal genutzt werden, „so wird man schnell zu Hamstern“ (Zitat)

Am 6.8. Aufbruch ins Mittelmeer mit 1. Zielhafen Marseille Vieux Port, den die Beiden vor dem Mistral erreichen.

Ein Besuch in den Calanques ist ein Muss – und jeder, der dort geankert hat erinnert sich mit Andacht an die höchsten Steilklippen Frankreichs.

 

  

 
 

Dann geht’s mit gutem Wetterfenster  die ersten 200 sm auf offener See zu den Balearen – und weiter entlang der spanischen Ostküste nach Andalusien. J +S werden natürlich nicht nur zu Seefahrern, sondern nehmen auch die einmalige Chance dieser Reise wahr dem Landesinnern reizvolle Besuche abzustatten, und sich mt der jeweiligen Geschichte und Kultur der besuchten Länder auseinander zusetzen . So gehört ein Ausflug in die Sierra Nevada mit Besuch der Alhambra dazu, bevor ‚point d’Europe’ angesteuert wird. Der Felsen von Gibraltar ist für die Einen der Start in eine andere Welt, und für so manch Anderen das Ende eines Traums. (Anmerk. Der Redaktion: so habe ich es jedenfalls einige Male in Shepherds Marina erlebt) Jedenfalls geben sich hier die Fahrtensegler aus aller Welt ein Stelldichein mit entsprechendem Steggeplauder.

Auf Gibraltar gibt es nicht nur die Affen, sondern am 17. September den „clean-up-the-rock-day. Für segelnde Umweltschützer eine gute Gelegenheit auf ‘Gib’ “Coplare-Flagge” zu zeigen, nicht zuletzt mit guter Presse.

 

Reise, Reise, der erste große Jump über den Atlantik lockt. Mit Rückenwind und auslaufender Strömung bringen es Joachim + Susanne mit ihrer Pagena immerhin auf 10 kn Fahrt durch die Strasse von Gibraltar. (Das habe ich selbst einmal ganz anders erlebt.)

Der Atlantik präsentiert sich platt wie eine Flunder. Nach sechs Tagen unspektakulärer Überfahrt ist der erste Landfall Playa Blanca auf Lanzarote –sicher eine gute Wahl. Für jeden Lanzarote Besucher gibt es aus meiner Sicht zwei Dinge als unbedingtes Muss: Mandriques Haus, das Erbe eines großartigen Architekten und Gesellschaftskritikers, und Timanfaya, die vulkanischen Feuerberge, als Naturschutzgebiet. Lanzarote die sog. ‚Insel ohne Quellen’ verfügt über keine nennenswerten Wasservorkommen, bei gleichzeitig nur spärlichen Regenfällen. Dennoch gibt es auch Weinanbau in der schwarzen Lava mittels Windmäuerchen, die die Pflanzen vor dem Austrocknen bewahren sollen, und dem Auffangen von nächtlichem Tau. Lanzarote ist eine reizvolle Insel.

 
      
 

Die Stationen der übrigen Kanaren: Cran Canaria im ARC Fieber, Teneriffa mit dem höchsten Berg Teide und La Palma als grünste Insel mit imposantem Gebirgspanorama und tiefen Schluchten bieten unterschiedliche Erfahrungen für Weltumsegler. El Hiero lassen sie wegen der aktuellen Vulkantätigkeit unter Wasser besser aus.

 

Anfang November geht’s weiter, Kurs 210°, entlang der afrikanischen Westküste. Auf Wiedersehen Europa.

Bei ruhiger See muss die Windfahnensteuerung nur hi und da mal korrigiert werden. Nach sieben Nächten, ohne weitere Begegnung mit anderen Schiffen taucht nach ca. 700 sm zielgenau die Insel Sal vor Pagenas Bug auf.

Die Kapverdischen Inseln sind erreicht. Die seit 1975 unabhängige Inselgruppe Capo Verde liegt ca. 300 sm westlich von Dakar und ist auch vulkanischen Ursprungs. Flache Wüsteninseln mit Dünenlandschaften wechseln mit grünen, bergigen Wanderparadiesen mit beschaulichen Dörfern. Einklarieren im bunten Palmeria mit dem

„trocken-rauchig-würzigem Geruch Afrikas“. Joachim + Susanne erleben die Macht des „stempelns“ bei den Zoll-

Behörden (Anmerk. d. Red.: memories are made by this)

Auch hier treffen sich mittlerweile die Weltumsegler zwischen den Welten. Joachim lernt tauchen – und mit Sammeltaxen geht’s auf Inselerkundung.

 

  

 

In Santa Maria lernen J+S Anne Seiler kennen, die mehr oder weniger

private Entwicklungshilfe betreibt und vor allem den Kindern zu Schule verhilft. Mit Anne kommen sie nach Terra Boa, einer Wohnsiedlung der nicht wohlhabenden Einheimischen.

Auch auf Sal gibt es kein Süßwasser, mit dem damit verbundenen schwierigen Lebensstil der Einheimischen.

 

Auf Tarrafal bleiben Passatwolken an den Bergen hängen und bescheren Feuchtigkeit in der grandiosen Mittelgebirgswelt, mit alten Drachenbäumen, die Susanne +Joachim erwandern.

 

Für ‚Coplare’ hatten Joachim + Susanne die Kapverden als erstes Ziel für ihre Umweltaktivitäten ins Visier genommen, weil Capo Verde noch ein sog. ‚armes’ Land ist, mit wenigen Ressourcen und hoher Arbeitslosigkeit.

Der Hoffnungsträger Tourismus beschert auch Plastikmüll, den der Besucher, der ihn produziert doch nicht am Strand oder an Land vorfinden möchte.

J + S finden Gesprächsbereitschaft bei Hotelmanagern und Behörden PET Flaschen getrennt vom übrigen Müll zu sammeln und eine Vermarktung zu versuchen. Das Problem ist erkannt, wie es praktisch weitergeht bleibt nun abzuwarten.

 

Der 1. greifbare Erfolg kam über den Kontakt zu der ehemaligen deutschen Journalistin Anne Seiler, die ihrerseits den Kontakt mit den Frauen in Terra Boa hat.

Kurzum erfolgt die Anleitung aus gebrauchten, zerschnittenen farbigen Plastiktüten so etwas wie ein Garn herzu-

stellen, um damit Taschen zu häkeln, die in Santa Maria vermarktet werden könnten. Auch Tinene´, dem versierten und engagierten Leiter einer technischen Berufsschule, können J +S ihr gesammeltes Wissen übergeben. Froh, diese besonderen Menschen auf Capo Verde getroffen zu haben, machen sich Susanne + Joachim mit ihrer Pagena am 11.1.2012 auf zu ihrer 2 ½ wöchigen Reise in die Karibik. Das Projekt ‚Kapverden’ soll in ihrem Fokus bleiben.

 
 

  

 

2100 sm liegen vor der Pagena mit ihrer Besatzung. Blaues Wasser, soweit das Auge reicht. Sie haben keine Angst – und bisher haben sie ja auch mit dem Glück der Tüchtigen alles prima gemeistert.

Mit beständigem Passatwind zeigt sich der Atlantik von seiner gütigen Seite. Mit langer Dünung ist es wie eine sanfte Achterbahnfahrt, wenn die Welle kommt, das Schiff hebt, um es langsam ins Wellental gleiten zu lassen.

Zuweilen ist die Welt ganz klein. S + J haben in den Kanaren und Kapverden zwei andere Paare getroffen, die genau wie sie mit auch je einer Ovni 345 etwas versetzt parallel in die Karibik segeln. Ob man sich wohl wieder trifft ?

Fliegende Fische mit unfreiwilliger Landung an Bord und Meeresleuchten in der Nacht werden Alltag, genauso wie die immerzu schwankende Schiffsheimat. Die stetige Aufmerksamkeit gilt der See und evtl. Begegnungen jeglicher Art.

 
 

  

 

Goldmakrelen wollen gefangen werden um zu einem guten Mahl mit frisch gebackenem Brot zu werden. Das Leben an Bord hat seinen eigenen Rhythmus.

Statt Sturm gibt es dann für 2 Tage gänzliche Flaute. Das Schlagen der Segel ist erbärmlich, Motoren keine wirkliche Alternative. Also Segel bergen und sich treiben lassen – aber wie lange und wohin?

Dann die Begegnung mit einem Wal, der mit Pagena Freundschaft schließen möchte, ebenso wie die Schule der Delphine, die den Weg kreuzen. Atlantiküberquerungen können soooo schön sein!

Sicher gibt es keine Querung eines Ozeans ganz ohne Wind, und so kommt 3 Tage vor dem geplanten Landfall auf Guadeloupe stärkerer Wind auf, der Veranlassung gibt, mit gezielter Reffstellung die Reise zu verlängern, um die Insel bei Tage ansteuern zu können.

 

  

 

Erfolg bedeutet: die theoretische Planung so perfekt wie möglich umzusetzen. Joachim + Susanne sind angekommen- und dürfen diesen Erfolg ganz sicher gebührend feiern. In ihrer 1.Mail teilt Susanne begeistert mit, dass die Frauen auf Capo Verde das Häkeln begonnen haben. Auch hier ein 1. greifbarer Erfolg ihrer Umwelt-mission.

 

Mögen sich die Schutzengel mit dem Glück der Tüchtigen paaren und Susanne + Joachim mit ihrer Pagena weiterhin auf ihrer Reise gut begleiten.

Der WVS wünscht guten Wind und eine glückliche interessante Weiterreise.

 
 
 
 
 

gez. Monika Barthel, 5.2.2012