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Nach mehrjähriger Vorbereitung erfüllen sich Susanne Tölzel und Joachim Probst aus Wiesbaden ihren Lebenstraum und starten Anfang Juli 2011 ihre Weltum-segelung. Die letzten Wochen verbrachten die Beiden mit ihrem Schiff Pagena im WVS, um ihre „Ovni 345“ – ein Aluminiumboot startklar zu machen.
Die Herausfoderung
Susanne und Joachim wollen aber nicht nur per Schiff die Welt erkunden und umsegeln. Im Reisegepäck haben sie das Projekt „Coplare“ – Costal Plastics Recycling-.
Aus ihren beruflichen Tätigkeiten haben sie erkannt:
Plastic ist viel zu schade um wegzuwerfen.
Aus dieser Erkenntnis und ihrem Umweltbewusstsein haben sie Coplare ins Leben gerufen. Dieses Umweltprojekt hat zum Ziel gebrauchte Kunststoffe als sog. Sekundärkunststoffe in den industriellen Stoffkreislauf zurückzuführen. Die Nachfrage nach gutem recyceltem Kunststoff steigt zunehmend und treibt die Preise in die Höhe. Da werden neue Materialquellen gebraucht.
Daher wollen die beiden Segler bei ihren Landfällen an fernen Küsten und Inselnin Ländern, die den Aufbau einer kostspieligen Abfall- und Recyclingwirtschaft noch nicht leisten können ein Anreizsystem entwickeln, mit dem Ziel, Plastikverpackungen und Konsumgüter aus Kunststoff auf denselben Wegen zurück in die Industriegebiete ihrer Herstellung zu bringen, auf denen sie in den Verkauf gelangt sind. Fachleute nennen dies „urban minig“ und „reserve logitics“.
Susanne und Joachim sind der Meinung, dass man also nur Nachfrager und Anbieter zusammenbringen muß. Sie hoffen so Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnen werden zum Sammeln zu animieren. Mit dem Anreiz eines Zusatzeinkommens für die Sammler wollen sie deren Motivation wecken.
Die Beiden wissen, dass dies ein ehrgeiziges Projekt ist, und sie auch ein wenig das Glück der Tüchtigen brauchen, um die richtigen Leute am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu treffen.
Mit interessierten Firmen in Europa haben sie längst Kontakte geknüpft, um bei Erfolgsaussichten den Plan Coplare auch praktisch umsetzen zu können.
Weil man auf hoher See ja auch viel Zeit hat, und die Kommuikationsvernetzung heute selbstverständlich ist, will Joachim im Zuge seiner Aufzeichnungen über Wetter, Meeresströmungen etc. auch Daten über treibenden Plastikmüll auf den Meeren sammeln, die an anderer Stelle verwertet werden könnten. Er findet es jedenfalls einen Versuch wert. Und außerdem findet man sinnvolle Beschäftigung neben dem Bordleben und kann einem facettenreichen Vorhaben wie einer Weltumsegelung auf diese Weise in besonderer Art zusätzliche Akzente geben.
Ausrüstung
Eine verantwortungsvolle Planung einer solchen Reise stellt selbstverständlich entsprechende Anforderungen an das Schiff und seine Ausrüstung.
Susanne und Joachim haben sich für ein sicheres Schiff entschieden, das den Vorteil von Leichtigkeit mit der Robustheit des Rumpfes verbindet – also wählten sie ein Aluminiumboot eine Ovni, die sie gebraucht kauften und in monatelanger Werftarbeit auf Vordermann brachten.
Der Schwertkieler hat auch den Vorteil, dass sie das Schwert komplett in den Rumpf aufholen können, um mit min. 70cm Tiefgang viel näher an Land zu können. Das Boot kann sogar trockenfallen.
Das Fahrtenschiff wurde auch technisch aufgerüstet, um ein Höchstmaß an Komfort und Sicherheit zu bieten. So nennt die Pagena jetzt GPS, AIS, Radar, Funk für UKW, Kurz- und Grenzwelle incl. Satellitentelefon stolz ihr eigen.
Über W-LAN, E-Mails, Skype usw. soll die Verbindung via Internet zur Heimat ganz selbstverständlich bleiben.
Die Route
Die Reiseroute der Pagena mit Ihrer Besatzung soll von Wiesbaden aus über Flüsse und Kanäle ins Mittelmeer führen und über die Kanaren in die karibische Inselwelt, wo einige Monate Aufenthalt geplant sind. Dann solls durch den Panama
Kanal zu den Galapagos Inseln im Pazifik, und evtl. über die Osterinseln zu den Marquesas gehen. Auf der sog. Barfußroute mit konstanten Passatwinden in subtropischem Klima läßt sich die polynesische Inselwelt gut erkunden.
Wind und Wetter werden die Routen und die Dauer der Aufenthalte bestimmen.
Susanne und Joachim haben keinen Stress mit der Zeit. Sie haben eine mehrjährige Reise geplant.
Wir, die daheim bleiben, werden die Reise verfolgen, und jedenfalls von Zeit zu Zeit an dieser Stelle berichten.
Auf die Fragen:
- worauf freut Ihr Euch am meisten? antwortet Joachim: „auf die erste Atlantik-überquerung auf eigenem Kiel und die Inselwelt im Pazifik“. Für Susanne ist es das gemeinsame Erleben der Reise, wenn sie ganz auf sich gestellt sein werden.
- und wovor fürchtet Ihr Euch am meisten? Joachim ganz spontan: „jedenfalls nicht davor, dass wir uns nicht vertragen“ und etwas zögerlich: „aber schon vor einem unerwarteten Blitzschlag, einem fiesen Piratenüberfall ohne Hemmungen, auch vor einem Mann über Bord-Unfall“.
Die besten Wünsche für eine spannende, interessante, glückliche und gesunde Reise begleiten Susanne und Joachim mit ihrer Pagena. Auch für das Umweltprojekt Coplare wünscht der WVS eine glückliche und erfolgreiche Hand.
Sie sind an Joachims Geburtstag gestartet.
..... Fortsetzung folgt ....
gez. Monika Barthel, 2. Juli 2011
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